Die Tauschring-Welt auf einer Scheibe: “Die Zeitbank”
Du weißt es ja: Tauschen ist einfach praktisch, fördert die Gemeinschaft und macht zudem noch eine Menge Spaß! Dabei ist das System relativ simpel – eine Stunde Lebenszeit wird mit einer Stunde Lebenszeit vergolten. Doch wusstest du, woher diese Idee einer zeitbasierten „Währung“ eigentlich kommt? Wie Tauschringe und die sogenannten „Time Banks“, also tauschringähnliche Zeitbanken, in Übersee funktionieren? Und was dieses „Zeitgeld“ so attraktiv macht?
Vor gut zwei Monaten wurden wir von einer Produktionsfirma kontaktiert, die sich all diesen Fragen in einer sehr professionellen und farbenfrohen DVD gewidmet hat. Morena und ich haben uns den Film angesehen und möchten ihn dir hier vorstellen.
Der Produzent Steffen Söhner traut sich in seinem Debütfilm einiges zu: Er will die Probleme unseres derzeitigen Wirtschafts- und Geldsystems aufs Tapet bringen, parallel dazu alternative Zeittauschsysteme und deren Vorteile herausstellen und gleichzeitig nicht das Wichtigste aus den Augen verlieren: dich und mich, den einzelnen Menschen, dessen Fähigkeiten und Talente jedes Wirtschaften erst möglich machen.
Doch der gewagte Spagat zwischen Theorie und Praxis gelingt: Während einerseits Zeitbank-Leitfiguren wie Dr. Edgar Cahn (Gründer der weltweiten Zeitbank-Bewegung) und Martin Farrell (Vorsitzender der Zeitbanken in Großbritannien) zu Wort kommen, springt der Film immer wieder zu aktiven ZeittauscherInnen, deren Privatleben vor Ort durch den Tausch bereichert wird. Auch wenn das zunächst etwas verwirrt – von Zeittauscherinnen in Großbritannien geht’s über den Tauschring Karlsruhe nach Amerika und zurück zum Bundestreffen der Tauschringe in Berlin 2005 –, spiegelt doch genau das die Vielfalt der Szene wider: Ein Potpourrie aus Idealisten, Mittelständlern und sozial Schwachen, deren Leben sichtlich bereichert wird.
Angesichts der Vielfalt des Themas kommen dabei zwar einige Feinheiten unter die Räder –der Film unterscheidet z.B. nicht zwischen den Zeitbanken, in denen die Währung angespart werden kann, und Tauschring-Systemen –, aber auf die Details haben es die Macher gar nicht abgesehen. Die DVD soll ins Thema einführen und überhaupt erstmal für alternative Möglichkeiten des Wirtschaftens sensibilisieren. Dabei habe selbst ich als „Insider“ dazugelernt: So wusste ich zum Beispiel noch nicht, dass für die Zeitbanken in Großbritannien zwei vom Staat bezahlte hauptamtliche Kräfte arbeiten oder dass die Zeitbanken in den USA professionelle Gründungsworkshops anbieten. Ideen also, die sich die deutschen Tauschringe ruhig von den englischen Systemen abgucken könnten.
Dank des gelungenen Spagats zur Theorie liefert der Film auch relativ unbekannte Fakten, wie etwa, dass nur zwei Prozent des weltweiten Geldumsatzes wirklich wertschöpfend sind. Ein klares Missverhältnis, wenn man bedenkt, dass nur individuelle Arbeit echten Wert schöpfen kann, die fehlenden 98 Prozent also reines Spekulationskapital sind. Trotz der eingewobenen Fakten verliert der Film jedoch nie den Menschen aus dem Auge – und liefert damit ein authentisches Bild alternativer Wirtschaftssysteme wie dem Tauschring.
Eine DVD mit vielen Facetten also, die nicht nur umfangreich und informativ ist, sondern auch mit ausdrucksstarken Bildern daherkommt. Hier waren keine Laien am Werk. Die Produzenten aus der Impulswerkstatt haben uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, das du dir gerne über die Orga ausleihen kannst – Email oder Anruf genügt. Selbstverständlich kann jeder Interessierte, der noch nichts von Tauschring & Co. gehört hat, die DVD auch im Online-Shop der Impulswerkstatt erwerben.

Am 28. Januar 2010 um 11:01 Uhr
[...] wir gern verleihen und sich derzeit schon in einem anderen Tauschring befinden. Zum einem der Film Die Zeitbank und der Film Fabian-Gib mir die Welt plus 5 [...]